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   4.02.17 02:29
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Kontrolleure, schwarzer Lack und unerwiderte Bahnhofsliebe

Ich bin zerstreut.

Ich war heute in einer anderen Stadt, genauer gesagt Bonn, die alte Hauptstadt unseres Westdeutschlands, und habe dementsprechend eine Menge gesehen und noch viel mehr Eindrücke aller Art haben gewaltsam auf meinen Schädel eingeprügelt.

Warum ich in Bonn war und warum ich stundenlang die gräßlichste Laune hatte und alle meine Kollegen am liebsten ganz böse angeguckt hätte?

Nun, die Schule hatte die tolle Idee uns in der Geschichte der Deutschen Bundesrepublik zu schicken; wir haben ja sonst nichts zu tun. Und weil man sich noch in der späten Nacht treffen will, um sich dann gemeinschaftlich den Weg in diese fremde, große, beängstigend Stadt zu kämpfen (wir Kölner sind schließlich mit einfachen Landeiern zu vergleichen), krächzte mein jugendlicher, sich im Stimmbruch befindender Wecker schon um 6 Uhr wach. Ich hatte nie größere Lust dieses Biest zu erschlagen. Hab ich dann doch nicht gemacht, dafür bin ich viel zu gutmütig.

Nach einer viel zu langen Ewigkeit, mehreren Übelkeitsanfällen und dem Versagen meiner Batterien hatten wir es endlich vor dieses vermeidelte Musem geschafft.

Die Austellung war übrigens verdammt interessant und ich kann sie nur jedem wärmsten empfehlen; wenn er denn Lust hat sich durch das Zug- und Bahngemetzel zu kämpfen. Ich persönlich nicht, deswegen werde ich das Musem wohl nie wieder mit eigenen Augen erblicken. War aber trotzdem toll. Das Museum stellte mit allerhand Medien und Originalstücken der Geschichte der BDR von 45 (oder 49?) bis so ungefähr dar. Geht ja primär um die BDR und net um das 3. Reich.

Trotzdem wurde jenes in gewisser.. prägnanter Weise auch angeschnitten.

Wir kamen rein in die erste Halle, Mauerbruchstücke da, Kriegserinnerung hier, alles sehr bedrückt und missmutig. Und in der Mitte stand eine große, schwarz lackierte Box.

Vorne auf der Box prangte, in einem etwas hellerem Schwarz, sodass man es nur erkannte, wenn man darauf hinfewiesen wurde, ein Hakenkreuz. Mit einem mulmigen Gefühl folgte ich unserem Führer in den Tod, ehm, in die Box durch eine der zwei winzigen Türen. Drinnen gab es nichts. Außer ein paar Fotos, die sich wie eine Paketschnur von innen über unseren Köpfen über die vier Wände zog und zwei winzig kleinen Monitoren die in die Wände links und rechts eingebaut war.

Die Box war innendrinnen genau so pechschwarz wie außen, es gab keine Beleuchtung außer der, die hinter den Bildern war. Sie glühten quasi. Ein merkwürdiges Surren tönte durch den Raum, klang nach einer Klimaanlage. Es war.. unheimlich.

Ich warf einen kurzen Blick auf den Monitor zu meiner Linken und entdeckte, dass Namen fortlaufend gezeigt wurden. Zweifelsfrei Judennamen.

Dann blickte ich hoch. "Die Luft ist hier für Juden unzuträglich", hieß es auf dem Schild im ersten Foto, "Juden betreten dieses Gebiet auf eigene Gefahr", im nächsten und darauf "Juden haben hier keinen Zutritt, Juden verboten, Deutsche, wehrt euch, kauft nicht bei Juden ein.." Man kennt sie.

Das nächste Bild war ein Foto von Juden vor dem Exekutionsgericht, ein Bild von der Reichskristallnacht, Schuhberge.. und am Ende der Fotostrecke Leichenberge.

Dann fragte unser Führer, woran uns das Surren im Hintergrund erinnerte.

Ich muss sagen, dass ich in dem Moment, als ich es erkannte, ziemlich schockiert war. Es klang wie das rauschende Eindringen von Gas. Ich wär am liebsten wieder rausgerannt. Mit so was wollte ich nicht konfrontiert werden.

Es war.. extrem bedrückend. Das imitierte Rauschen des Gassen in den Ohren, die Namen der unzähligen toten Juden im Rücken, die Leichenberge vor der Nase. Ich hab miserabel gefühlt.

Ich persönlich bin jemanden, der gerne die rassistische Sau rauslässt und über alle möglichen Minderheiten zettert - natürlich nur als Teil meines schwarzen Humors. Die Judenverfolgung, der Holocaust, der zweite Weltkrieg, Nazis - das waren alles Dinge, die mich nicht wirklich berührten, die weit, weit weg von mir waren, mir keine Angst machten, weil ich nichts damit zu tun hatte. Natürlich waren meine Vorfahren betroffen, aber, dennoch. So nah war mir die Sache noch nie. Die Welt verschont einen zumeist vor den unliebsamen Wahrheiten. Natürlich wusste ich, was passiert ist, aber in meinen Augen war es vergangen und mich kotzt es an, dass wir noch Jahrtausende lang wegen einer Sache für böse Nazis gehalten werden, mit der wir rein gar nichts zu tun haben.

In der Hinsicht hat sich meine Einstellung nicht geändert - die meisten von uns wurden viel später nach diesen Ereignissen geboren und tragen daran gar keine Schuld, es uns aber immer wieder vorzuwerfen ist falsch.

Aber gleichzeitig.. ach, was auch immer, genug mit dem Scheiß.

Warum hat ein Duschkopf elf Löcher? :D

Die Antwort verrate ich irgendwann in 'nem nächsten Eintrag. Naja, jedenfalls, was wollte ich noch sagen? (Mir brummt grad ganz schön der Schädel, weil Frau Mama mir weis machen wollte, dass ich ein Alkoholiker bin und alle Gegenargumente stößen da wie Ossis gegen die Mauer)

Standet ihr schon mal eine geschlagene Ewigkeit an einem richtig untergekommenem, verlassenen Bahnhof?

Objektiv betrachtet war dieses Ort wirklich nicht schön - aber ich fand ihn verzaubernd. Der Nebel, der in weiter Ferne über den Gleisen lag, die rühenden Güterzüge in weiter Ferne, die grauen Steine zwischen den rostigen Schienen, umrahmt von ein paar Bäumen. Schöner Anblick. Ich finde es wichtig, dass wir auch in solchen Dinge Schönheit finden können - denn sonst würden wir alle bald nur noch mit einer griesgrämigen Miene umherlaufen, weil wir diese graue Welt ganz furchtbar doof und häßlich finden. (Allgemein geht mir so eine Mentalität gehörig gegen den Strich, bestes Beispiel ist dafür die Klassenfahrt. An der ganzen Veranstaltung gab es wirklich nichts auszusetzen, die Zimmer waren gut, das Essen auch und die Seminare. Aber natürlich gab es genug Leute die sich lang und breit über das Essen beschwert haben, dass ihre Mütter ihnen so einen Fraß nie vorsetzen würde und dass ihnen schon beim Anblick der Appetit verging.. solchen Leuten möchte ich immer wieder gerne so richtig die Fresse polieren. Dieses Nörgeln ist mir einfach vollkommen unverständlich und vollkommen unnötig - die Leute haben zu Hause keineswegs besseren Fraß bekommen, ich kann also beim besten Willen nicht nachvollziehen, warum die alle so meckern musste. Ist das etwa diese berühmt berüchtigte Krankheit, die viele Deutsche befällt? Wobei ich aber zugeben muss, dass auch unsere kameraden mit Migrationshintergrund kräftig gemeckert haben; wahrscheinlich, weil sie solche "normalen" Sachen eher weniger essen - aber gleich zu nörgeln und dann den halbwegs gut gelaunten Mitschülern die Laune mit diesem ewigen Scheiß verderben? Besten Dank.)

Erm, ja, Bahnhof. Es war schon komisch, so. Ich habe allgemeine eine sehr skurille Sichtweise von der Welt, nicht, wie ich eingestellt bin, sondern wirklich, wie ich sie sehe, ich gucke einfach anders. (Unter anderem bin ich fest davon überzeugt, dass ich die Atome rumschwirren sehen kann, glaubt mir natürlich keiner, ist mir aber herzlich egal.)

Und der Bahnhof wirkte auf mich sehr skurill, sehr unreal. Er hätte meines Erachtens eher auf ein Gemälde gehört, und so und als dann ein anderer Güterzug vorbeiratterte zerstörte er das zweidimensionale Bild mit seiner ganzen dreidimensionalen Groteskheit und irgendwie.. hätte ich mir gewünscht, ihn anfassen zu können, ihm nah zu können, dass er zu mir kam, ihn mich hineinfuhr. Oder die Schienen.. Natürlich weiß man Kopf, dass sie das - und er bildet sich ein, dass er sie anfassen könnte, wenn er Lust dazu hätte, weil er hat die Freiheit an es zu tun, aber gleichzeitig wurde mir bewusst, dass mein Kopf sich nur veräppelte, dass diese Freiheit nur eine Lüge war und ich niemals dazu im Stande gewesen wäre, die Gleise zu berühren. War schon irgendwie traurig. Ich stand an der Station, die Gleise, der Zug vor mir - wie zwei geliebte die von einer Glaswand getrennt werden, die zwar ni der Nähe sind, sich sehen können, aber niemals vereint sein werden.. traurig.

Ich habe übrigens Angst vor Hunden. Passt zwar kein bisschen zu den obrigen beiden Themen, wollte ich aber trotzdem mal loswerden. In meiner frühen Kindheit war ich Hunden gegenüber wirklich extrem panisch (sodass ich mich sogar mal ne Stunde hinter ner Mülltonne versteckt hab und gewartet, dass die Hunde da, die sich auf meinem Schulweg befanden, endlich verschwinden würden), mit der Zeit hat sich das zum Glück teilweise gelegt und ich hab genug Mumm um diesen blöden Biestern mit Abscheu und Verachtung zu begegnen. Jedenfalls begegnete ich heute auf dem Weg nach Hause einem Bahn Kontrolleur, der wohl seinerseits auf dem Weg nach Hause war, und er hatte, wie kann es auch anders sein, einen Pitbull dabei. Nein, die Biester sind nicht wirklich groß, im Vergleich zu 'nem Rottweiler (brr! - wobei die allerdings wirklich schöne Tiere sind), aber dafür haben sie verdammt viele Muskeln. Also winzige, kleine, mit Muskeln bepackte Kampfmaschinen. Ich hab meine Schritt deutlich verlangsamt um dem Vieh nicht zu nah zu kommen - vor solchen Brocken hab ich immernoch ein bisschen Angst und allgemein fühl ich mich in der Nähe von Hunden höchst unwohl. Vorallem wenn's angsterregende ist. Kleinen Kindern sagt man ja immer, dass sie keine Angst haben sollen, weil Hunde die Angst spüren können. Spitzenklasse. Das bringt ein Kind nur dazu, noch panischer zu werden.

Egal, ich hab so schnell wie möglich die Straße gewechselt. Ich mag Hunde wirklich nicht, sie gefallen mir kein Stück. Ich mag die großen Brocken nicht, ich mag nicht die treudoofe Art von vielen, ich hasse das Gekläffe.. und vorallem kann ich Hunde nicht mehr normal angucken. Seitdem ich.. versehentlich gewisse Filmchen mit Hunden gesehen habe, geht gar nix. Weg mit den.. buäh, mir ist speiübel. Baah. Ich mach besser dicht, bevor ich den Blog vollkotze. Brrr.

24.9.08 13:13
 


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